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Konsequenzen für Hessen: Angebot & Nachfrage

Die Veränderungen der Altersstruktur sowie der Rückgang der Bevölkerung und die Migration junger Menschen in urbane Gebiete haben erhebliche Folgen für verschiedene Bereiche des Tourismus. Angebot und Nachfrage sowie die Themen Fachkräfteverfügbarkeit und Unternehmensnachfolge unterliegen in besonderem Maße den Auswirkungen des demographischen Wandels.

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Tourismusintensität und Übernachtungen nach Betriebsarten
Quelle: ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH; Ramboll Management Consulting GmbH

Nachfrage in den Destinationen

Von den rund 30 Mio. Übernachtungen 2012 in Hessen entfielen 38,6% auf die Destination Frankfurt Rhein-Main. Den zweiten Platz erreichte Nordhessen mit 25% und den dritten Platz der Taunus mit 12,2%.

Mit einem Anteil von 60,5 % an den Übernachtungen haben Hotels den höchsten Stellenwert bei den Unterkünften, gefolgt von den Kliniken, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen mit einem Anteil von 16,4%.

Während die Hotellerie vor allem in Frankfurt (94,9%) und im Rheingau (85%) eine dominierende Rolle einnimmt, haben in den Regionen Spessart, Taunus und Nordhessen die Kliniken, Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen eine überdurchschnittliche Bedeutung.

Die Tourismusintensität (Übernachtungen pro 1.000 Einwohner) ist am höchsten in den Regionen Nordhessen (7.514), Rheingau (7.030), Rhön (7.020) und Spessart (6.253). Am niedrigsten ist sie in den Regionen Bergstraße (2.045), Lahntal (2.044) und Westerwald (2.080). Für Hessen insgesamt liegt die Tourismusintensität bei 4.943.

Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus

Der touristische Bruttoumsatz beträgt für Hessen insgesamt 11,5 Mrd. Euro. Spitzenreiter unter den Regionen sind Frankfurt Rhein-Main (5,6 Mrd. bzw. 49 % Anteil am hessischen Gesamtumsatz), Nordhessen (2,1 Mrd. Euro) und Taunus (1,2 Mrd. Euro). Am Ende der Rangreihe befinden sich der Westerwald (70 Mio. Euro) und die Bergstraße (130 Mio. Euro).

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Durchschnittliche Betriebsgröße

Die Betriebsgröße, gemessen an der Zahl angebotener Betten, gilt als Indikator für die Marktfähigkeit eines Betriebes. In den letzten Jahren stieg die Betriebsgröße der meisten Beherbergungstypen in Deutschland an.

Dies ist vor allem auf das Ausscheiden kleinerer Betriebe und den Eintritt großer Betriebe auf den Markt zu erklären. Verglichen mit anderen Bundesländern weist Hessen in der Hotellerie und in Kliniken überdurchschnittliche Betriebsgrößen auf. Die Größe anderer Betriebstypen liegt unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Im Zuge des demographischen Wandels kommt es zu einem Anstieg der Wettbewerbsintensität, die eine gute Marktfähigkeit erfordert. Die Hotellerie Hessens erfüllt diese Anforderungen. Besonders in Frankfurt sind große Betriebe mit durchschnittlich 261 Betten zu verzeichnen. Die Betriebe in der Rhön und in Nordhessen weisen jedoch im Schnitt nur 66-80 Betten auf.

Klassifizierungs- und Zertifizierungsgrad

Anhand von Klassifizierungen und Zertifizierungen lassen sich Kundenorientierung und Qualität im Tourismus erklären. Im Beherbergungsgewerbe gibt es zum einen bundesweit einheitliche, ausstattungsorientierte Klassifizierungen des DEHOGA (Hotelsterne) und des Deutschen Tourismus Verbandes (DTV Sterne). Zum anderen gibt es themen- oder gruppenorientierte Zertifizierungen für Umweltfreundlichkeit oder Barrierefreiheit.

Im Bundesvergleich der klassifizierten Hotelbetriebe rangiert Hessen nach Schleswig-Holstein an letzter Stelle (33,3 % im Vergleich zu 45,3 % in Deutschland insgesamt). Die Anzahl der erreichten Sterne liegt im Bundesdurchschnitt. Beim Anteil der 5-Sterne-Hotels belegt Hessen deutschlandweit einen der vorderen Plätze. Zertifizierungen mit Bezug zum Thema Demographie gibt es bisher nur auf Landesebene. Ein deutschlandweites Siegel zur Anerkennung barrierefreier Hotels („Reisen für alle“) wird gerade eingeführt.

Nachfrage und Angebot aus Sicht der hessischen Tourismusexperten

Die zu erwartenden Folgen des demographischen Wandels werden von den im Rahmen der Studie befragten Experten durchweg als ernst zu nehmende Herausforderung erkannt, aber aktuell noch zu sehr von den Problemen der Gegenwart überlagert. Dies gilt insbesondere für die kleineren bis mittleren Betriebe des Gastgewerbes (Hotels, sonstige Unterkünfte, Restaurants etc.), die mit den Problemen des „Tagesgeschäftes zu kämpfen“ haben und sich daher nicht in der Lage sehen, sich schon jetzt mit den künftigen Anforderungen des demographischen Wandels strategisch auseinanderzusetzen. Das Bewusstsein, frühzeitig darauf zu reagieren, ist bei größeren Betrieben und bei den Fachorganisationen wie IHK und DEHOGA deutlich ausgeprägter. Themen wie Barrierefreiheit, frühzeitige Sicherung von Fachpersonal etc. spielen in diesen Bereichen bereits heute eine große Rolle.

Touristische Angebote sind größtenteils noch nicht auf die bevorstehenden Veränderungen angepasst. Dies hängt mit dem sich langsam vollziehenden Prozess des demographischen Wandels zusammen und der daraus folgenden Konsequenz, dass die meisten Betriebe ihre Pläne nicht zu weit in die Zukunft richten, sondern ihr Angebot speziell auf aktuelle Veränderungen abstimmen. Die Notwendigkeit in der Verbesserung von Angebot und Vermarktung wird mit Blick auf den demographischen Wandel gesehen, aber aktuelle Themen wie Service, Mobilität, Kultur oder medizinische Angebote stehen im Vordergrund.

 

Angebot & Nachfrage in der Zukunft

Bis 2030 wird es einen Rückgang der Bevölkerung Deutschlands um 5% gegenüber 2010 geben. Der Anteil der Personen über 65 Jahren wird um ein Drittel ansteigen und somit 29% der Bevölkerung ausmachen. Mit dem Rückgang der Bevölkerung wird insgesamt gesehen eine Abnahme der touristischen Nachfrage erwartet. Die Reiseintensität älterer Menschen wird aber steigen.

 

Nachfrage bis 2025 und wirtschaftliche Auswirkungen

Modellrechnungen zu Folge ist ohne Veränderung von Parametern wie dem generellen Reiseverhalten etc. bis 2025 mit einem Rückgang der Tagesausflüge nach Hessen um 8,2 Mio. bzw. 4,5% zu rechnen. Die Tagesgeschäftsreisen sinken um 5,9 Mio. bzw. 12,9%. Bei den Übernachtungen wird der prognostizierte Rückgang um 830.000 bzw. 2,5% geringer ausfallen.

Bei den touristischen Bruttoumsätzen wird mit einem Verlust von 523 Mio. Euro (in Preisen von 2012) gerechnet. Ohne Anpassungsmaßnahmen drohen der hessischen Tourismuswirtschaft damit bis zum Jahre 2025 real Einbußen von 4,6 % der aktuellen Umsätze.

Der Rückgang der Bevölkerung und der Übernachtungen wird auch Einfluss auf die Entwicklung der Tourismusintensität (Übernachtungen pro 1.000 Einwohner) haben. Da die Werte für die Bevölkerung und die Übernachtungen gleichermaßen rückläufig sind, wird die Tourismusintensität weniger stark betroffen (siehe nachfolgende Grafik).

Entwicklung von Übernachtungsnachfrage, Bevölkerung und Tourismusintensität in Hessen bis 2025
Quelle: ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH; Ramboll Management Consulting GmbH
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Veränderungen von Nachfrage und Angebot aus Sicht der hessischen Tourismusexperten

Die befragten Experten sind der Ansicht, den durch den demographischen Wandel bedingten Veränderungen mit nachfragegerechten Angeboten entgegenwirken zu können. Sie erwarten keinen extremen Rückgang der Nachfrage, sondern sogar einen Anstieg. Vor dem Hintergrund der erwarteten Abnahme der Bevölkerungszahl würde dies zu einem Anstieg der Tourismusintensität führen.

 

Auslastung der Betriebe

Ausgehend vom erwarteten absoluten Rückgang der Nachfrage werden Veränderungen für die einzelnen Betriebsarten prognostiziert. Bei den Hotels, die mit einem Marktanteil von 60,5% zur wichtigsten Beherbergungsart in Hessen zählen, wird mit einer stetig steigenden Nachfrage gerechnet. Erklärt wird dies mit höheren Komfortansprüchen insbesondere der älteren Gäste. Möglich wäre dadurch auch - bei gleichbleibenden Kapazitäten - ein Anstieg der Auslastung.

In Erholungs-, Ferien- und Schulungsheimen wird es vor allem auf Grund sinkender Schülerzahlen zu einer schwächeren Auslastung kommen. In Ferienzentren, Ferienhäusern und Ferienwohnungen ist dieser Trend ebenfalls zu erwarten. Gründe dafür sind zum einen die rückläufige Zahl von Familien mit Kindern, zum anderen eine sich verändernde Nachfrage nach anderen Beherbergungsformen.

Das Segment der Kliniken, Vorsorge- und Rehabilitationszentren wird in Folge des steigenden Anteils älterer Menschen an Bedeutung gewinnen. Zu beachten ist allerdings, dass auf Grund der rückläufigen Zahl der Erwerbstätigen auch der Bedarf nach Reha-Maßnahmen zurückgehen wird.

Sind Sie im Bereich von Angebot und Nachfrage für die wirtschaftlichen Folgen des demographischen Wandels gerüstet?

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Weiterführende Informationen

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Broschüre „Tourismus 50plus"

Die Broschüre „Tourismus 50plus: Anforderungen erkennen – Wünsche erfüllen“ bietet touristischen Unternehmen zahlreiche Hinweise und gute Praxisbeispiele für den betrieblichen Umgang mit den Auswirkungen des demographischen Wandels. Hier geht´s zur Broschüre

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Demographie-Studie

Die Studie „Zukunftstrends im Tourismus – Wirtschaftliche Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Tourismus in Hessen“ wurde von der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH und der Rambøll Management Consulting GmbH im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung erstellt. Hier geht´s zur Studie